Unter dem Titel „Familien im Blick – Lebenslagen verstehen. Zukunft gestalten.“ hat die Landesregierung am 9. Juli 2026 einen Familienbericht veröffentlicht. Damit liegt erstmals seit 2015 wieder eine wissenschaftlich fundierte, an den Lebenslagen orientierte Bestandsaufnahme der Familien in Nordrhein-Westfalen vor.
Der Bericht legt einen Schwerpunkt auf die Vielfalt von Familien und nimmt damit auch queere Familien in den Blick. Dies begrüßen wir als Fachstelle Regenbogenfamilien NRW sehr.
Im Bericht werden zentrale Herausforderungen queerer Familien benannt und daraus Forderungen abgeleitet.
Im Vorfeld fand ein Familiendialog mit Regenbogenfamilien statt, der im Rahmen des von unserer Fachstelle anlässlich des IFED veranstalteten Familienfests im Mai 2025 in Münster durchgeführt wurde.
Zahlen und Daten: wichtige Hinweise, aber lückenhafte Erfassung
Die im Bericht ausgewerteten Daten des Mikrozensus 2024 zeigen:
- In NRW leben rund 11.000 gleichgeschlechtliche Paare mit minderjährigen Kindern.
- Das Gesamtspektrum von Regenbogenfamilien wird damit nicht abgebildet, da der Mikrozensus nur gleichgeschlechtliche Ehepaare und Lebensgemeinschaften mit Kindern im Haushalt erfasst.
- Gleichgeschlechtliche Ehepaare leben häufiger mit minderjährigen Kindern zusammen (27 %) als unverheiratete gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften (13 %).
Diese Zahlen sind ein wichtiger Schritt zu mehr Sichtbarkeit – sie verdeutlichen jedoch zugleich, dass die Datenlage zu Regenbogenfamilien weiterhin lückenhaft ist.
Politische Reformen konsequent umsetzen
Der Familienbericht liefert eine wichtige Grundlage für politische Gestaltung. Aus Sicht unserer Landesfachstelle ergeben sich daraus klare Handlungsbedarfe:
- Familienrecht reformieren: Gleichstellung queerer Familien und Berücksichtigung von Mehrelternschaft
- Reform von Einträgen/Bezeichnungen in Geburtenregister und Geburtsurkunde für trans*, inter* und nicht-binäre Eltern
- Finanzielle Gleichstellung bei Kinderwunschbehandlungen, Sensibilisierung im medizinischen Bereich inklusive queersensible Geburtshilfe
- Verbindliche Aufklärung und Sensibilisierung in Schule und bei familiennahen Fachkräften
- Flächendeckender Ausbau einer queersensiblen Beratungsstruktur
Die Landesfachstelle Regenbogenfamilien NRW macht sich für eine konsequente Umsetzung dieser Reformen stark.
